Die Besten der besten der besten, Sir.
von Kai um 18:46 am Sonntag, 16. Mai 2010 in Allgemeines, Produktivität, ubuntu | 5 Kommentare
Angeregt durch eine Diskussion über Vor- und Nachteile der drei großen Betriebssysteme, hatte ich ursprünglich geplant kurz aufzuschreiben, was mich, aus aktuellem Anlass, so sehr an Mac OS X stört, dass ich persönlich es für den produktiven Einsatz unbenutzbar halte.
Weil mir das sinnlose Betriebssystembashing aber auf die Nerven geht und ich trotzdem schreiben wollte, was mich stört, starte ich nun eine kleine Reihe der absolut besten Werkzeuge (lies Programme) unter Ubuntu, für die ich weder auf Windows 7 noch auf Mac OS X ein entsprechendes Gegenstück gefunden habe. (Die hier dargestellte Meinung beruht natürlich nur auf persönlichen Erfahrungen. Auch werde ich wohl, trotz guter Vorsätze, mir den einen oder anderen Seitenhieb auf die beiden anderen Betriebssysteme nicht ersparen können.)
Ich werde hier nur Programme behandeln, die bei einer Standardinstallation mit dabei sind, weil ich ungern Stunden und Tage damit verbringe, nach irgendwelchen Alternativlösungen zu suchen, die unter Umständen und mit eventuellen Einschränkungen für bestimmte Fälle eine gleiche Funktionalität bereitstellen würden.
Den Anfang macht nun Nautilus, der Standard-Dateimanager unter Ubuntu. Interessanterweise wurde die ursprüngliche Entwicklung von einem ehemaligen Apple-Mitarbeiter angestoßen:
- Nautilus kann mit Samba, SSH, SFTP, FTP und Webdav problemlos umgehen. Öfter benötigte Verbindungen lassen sich zudem bequem in der Seitenleiste verstauen und zwar mit Passwort. D.h. der Webserver, auf dem auch dieser Blog hier liegt ist mit einem Mausklick entfernt.
- Dateibearbeitung auf der entfernten Freigabe ist auch direkt und schmerzfrei möglich. Ich kann (als beliebten Anwendungsfall) mich über Nautilus auf den Webserver verbinden, und die dort liegenden Dateien z.B. mit Emacs öffnen und direkt bearbeiten. Dank Nautilus brauche ich also nicht extra ein FTP-Programm für FTP-Verbindungen. Nebenbei: Zugriffsrechte für Dateien lassen sich ebenso einfach über Nautilus setzen.
- Wenn man, was sicherlich häufiger mal vorkommt, Verzeichnisse kopieren oder abgleichen möchte, gibt es bei Nautilus eine geteilte Ansicht, die beide Verzeichnisse übersichtlich einblendet.
- Ein weiteres “Killer-Feature” meines Erachtens ist die Musikvorschau: Wenn man den Mauszeiger über eine Audiodatei hält, ertönt die dazugehörige Musik aus den Boxen. Der Produktivitätsgewinn hierbei muss ich wahrscheinlich nicht weiter ausführen.
- Sämtliche Funktionen wie zum Beispiel Ansichten ändern, Ordner erstellen, Adresszeile anzeigen, versteckte Dateien anzeigen usw. sind auch über ein Tastenkürzel erreichbar, was (zumindest für mich) die Arbeitsgeschwindigkeit nochmal steigert.
- Wenn man nach Dateien suchen muss, ist (ähnlich zum Finder) eine Suche in den Dateimanager integriert, die nach Ordner- und Dateinamen suchen kann.
So, und jetzt der unvermeidliche Seitenhieb (Ich werde auf den Dateimanager unter Windows gar nicht erst eingehen. Wenn jemand am Boden liegt, muss man nicht nochmal nachtreten): Spotlight für den Finder ist sicherlich eine feine Sache. Erreichbare Rechner im selben Netzwerk, die in der Seitenleiste vom Finder angezeigt werden, auch nett. Aber so triviale Sachen, wie zwei Verzeichnisse abgleichen? Fehlanzeige.
Genauso wie Cover Flow? Ich kenne nicht einen Anwendungsfall, in dem mir Cover Flow hilfreich erscheint. Musikverwaltung findet unter Mac OS stets über iTunes statt, wofür das ganze also noch auf Dateiebene?
Man kann darüber streiten, ob das ein schickes Feature ist. Ich finde, dass Designentscheidungen immer einen praktisch relevanten Nutzen haben und nicht einfach nur “nett anzuschauen” sein sollten.
Ich bin sicherlich nicht sehr affin im Umgang mit dem Finder (weil ich keinen Mac besitze und in der FH jedesmal Probleme damit habe). Rein intuitiv stelle ich jedoch mal die Behauptung in den Raum, dass der praktische Nutzen bei Nautilus höher ist.
Falls sich der werte Leser über den Abakus als Bild für diesen Beitrag wundert: Ich bezeichne den Abakus manchmal als ältestes Programm der Welt, weil man Zahlen für die Addition/Subtraktion eingibt, und dann das Ergebnis auf dem Abakus erhält. Mit etwas Übung geht das dann so leicht von der Hand, dass der Unterschied zum einfachen Taschenrechner nur noch marginal ist
Bildquelle: http://www.flickr.com/photos/obraka/4005590272/






Kommentar von Kai
16. Mai 2010 um 23:28
Tabs wären in jedem Fall auch noch erwähnenswert gewesen.
Die geteilte Ansicht bekommst du mit F3 oder über das Menü Ansicht->Zusätzliche Leiste
Kommentar von René
17. Mai 2010 um 01:19
Kommentar von Ulf
8. Februar 2011 um 16:53
Die von dir aufgezählten ‘Killer-Features’ zeigt der Finder aber allesamt ebenfalls auf. Gehe zu -> Mit Server verbinden protokoll://maschinenname, und los geht’s.
Davon mal abgesehen bestehen zwischen Gnome und Mac OS so dermaßen viele Parallelen, Gnome guckt recht erfolgreich von OS X ab, dass ich deine Kernaussage nicht so ganz nachvollziehen kann und es deswegen einfach mal als Betriebssystembashing abstemple
.
Hätte ich keinen Mac, würde ich mit Ubuntu, also mit Gnome arbeiten. Und das tue ich auch gelegentlich, nämlich immer dann, wenn mir gerade kein Mac zur Verfügung steht. Die fehlenden Features wie Quick Look hab ich schnell nachinstallieren können und auch optisch wird Gnome, wenigstens unter Ubuntu, immer OS-X-ähnlicher. Was gut so und von Mark Shuttleworth sogar explizit so gewünscht ist.
Kommentar von Ulf
10. Februar 2011 um 12:41
Kommentar von Kai
10. Februar 2011 um 12:53