KDE im Produktiveinsatz
von Kai um 22:45 am Freitag, 5. März 2010 in Allgemeines, Linux | 2 Kommentare
Da letzte Woche mein neuer PC hier ankam, wollte ich die Gelegenheit nutzen und Kubuntu (mit KDE in der aktuellen Version 4.4) auf meinem Thinkpad ausprobieren.
Laut den Release Notes sollte sich die Stabilität deutlich gegenüber den vorherigen Versionen verbessert haben und einige interessante Features dazugekommen sein.
Da mir die durchdachte Fensterverwaltung besser als in Gnome gefällt und KDE sich groß “Social Desktop” auf die Fahne schreibt (also das Einbinden von Twitter, Facebook und Co auf den Desktop) wagte ich einen Versuch.
Die Installation ging noch reibungslos vonstatten, aber bereits nach dem ersten Start hatte ich immer wieder mit Abstürzen von Nepomuk zu kämpfen. Kopete, der mitgelieferte Instant Messenger, konnte ich nicht dazu überreden, MSN zu sprechen. Außerdem fand ich die UI zu groß dimensioniert. Damit komme ich auch direkt zum nächsten Punkt. Viel von der Software, die ich so täglich verwende, benutzt GTK. KDE setzt dagegen auf QT auf. Ich weiß nicht, wie hier die prozentuale Verteilung von Software ist, die mit GTK geschrieben wurde, gegenüber derjenigen, die QT benutzt, aber meine Wahrnehmung ist, dass “populärere” Opensource Programme oft ersteres verwenden.
Dann merkt man recht schnell, dass Ubuntu wesentlich besser unterstützt wird als Kubuntu. Gefühlt gibt es viel mehr Hilfestellung für Ubuntu im Netz zu finden. Zwar sind einige Probleme unabhängig von der verwendeten Grafikbibliothek, aber gerade zum Beispiel die größte und erste Anlaufstelle (wiki.ubuntuusers.de) hält, wie der Name schon sagt, wesentlich mehr ubunturelevante Artikel.
Wie auch immer, der eigentliche Grund für mich, nach einer Woche wieder zu Ubuntu zu wechseln war, dass ich vieles an Funktionalität bei Kubuntu (KDE) vermisst habe, welche mir Ubuntu bietet.
Zum einen konnte der Network-Manager von KDE nicht mit VPN umgehen (ich habe es mit OpenVPN probiert. Eine Verbindung kam nie zustande), so dass ich auf den von Gnome zurückgreifen musste. Dropbox wird leider ebenfalls nicht gut in Kubuntu unterstützt. Man kann den Daemon über die Konsole starten und bekommt auch eine Anzeige im Panel, aber die visuelle Rückmeldung im Dolphin Dateibrowser fehlt. Generell hat mir Dolphin nicht so gut gefallen, da meiner Meinung nach viel Platz für nichts verschwendet wird (also Freiraum). Außerdem war ich nicht in der Lage Bookmarks zu FTP oder SSH-Verbindungen anzulegen. Vielleicht geht das irgendwie, ich habe es aber nicht geschafft. Die eingebaute Hilfe von KDE war mir hier auch keine große Hilfe, da ich die relevanten Informationen dazu nicht gefunden habe.
Gut fand ich die Fensterverwaltung. Gerade auf kleineren Bildschirmen (wie hier am Thinkpad z.b.) hatte ich nie das Gefühl den Überblick über meine vier Desktops zu verlieren. Fenster konnte man leicht verschieben und praktisch (Hint: Aero Snap) anordnen. Außerdem sind einige Details ganz gut gelöst. So lassen sich z.b. Hintergrundbilder einfach installieren, indem man das entsprechende Bild auf den Desktop zieht und “als Hintergrundbild” auswählt.
Dennoch: Mein Fazit ist daher, dass ich Kubuntu (bzw. KDE) immer noch nicht empfehlen kann, da ich von der verbesserten Stabilität nicht allzuviel gemerkt habe, außerdem mangelt es meiner Meinung nach an Programmen, die auch Qt benutzen, weil GTK Programme stellenweise ziemlich hässlich in KDE aussehen.



Kommentar von Juergen
17. August 2010 um 15:55
Was mich an KDE stört, ist der unglaubliche Ressourcenhunger, der mit jeder Version immer größer zu werden scheint. Auf alten Maschinen ist es schon nicht mehr produktiv nutzbar.
Ich habs auf meinem recht neuen Läppi im Einsatz, weil die “Beschaltung” des VGA-Ausgangs zwecks Beamer-Anschluss im Gegensatz zu der Gnome-Variante sehr viel leistungsfähiger und eleganter ist. Unter Ubuntu bekomme ich das Bild z.B. nicht richtig geklont. Mag aber auch an meiner Hardware liegen.
Du müsstest KDE wohl noch länger nutzen, um die ganzen alternativen Anwendungen zu entdecken und schätzen zu lernen. Gegen den Editor Kate sieht gedit leider sehr alt aus.. genauso wie der PDF Viewer evince gegen Okular. (:
Kommentar von Kai
17. August 2010 um 19:30
Aktuell setze ich auch gerade KDE 4.5 auf meinem Laptop ein und der “Ressourcenhunger” von dem du sprichst ist tatsächlich immens. Am stärksten fällt mir das natürlich bei Compiz und den eingeschalteten Desktopeffekten auf:
Während der Laptop unter Ubuntu (mit Gnome) locker 30.000 Frames/5 sek. schafft (mit glxgears getestet), sind es bei Kubuntu (KDE) nur noch 10% davon, nämlich ca. 3.000 Frames/5 sek.
Sicherlich spielt auch die schlechte Unterstützung des Grafikkartentreibers da eine Rolle, aber das ist mir als Anwender eigentlich egal, wenn das komplette System ruckelt:-)